Gutes tun und darüber reden: Ein Dilemma?
"The Giving Pledge" ist eine spektakuläre Aktion von Bill Gates und Warren Buffett. Die Initiative hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine intensive Diskussion ausgelöst. Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden Fragen, warum in den USA anders gespendet wird als hierzulande und welche Rolle Mäzene in unserer Gesellschaft spielen sollten.
Anders als in den USA herrscht bei uns eher Zurückhaltung, in der Öffentlichkeit über seine guten Taten zu sprechen. In der Schweiz ist sogar ein dem "Basler Daig" zugeschriebenes Bonmot weit verbreitet: "Mer git, aber mer sait nyt." Anders ausgedrückt: Im Verborgenen wird viel Gemeinwohlorientiertes ins Werk gesetzt. So existieren Förderstiftungen, die nicht einmal über eine Website verfügen, aber sehr viel Gutes tun.
Es heißt: "Ehre wem Ehre gebührt". Viele Mäzene verzichten aber bewusst auf Öffentlichkeit und damit auch auf öffentliche Anerkennung. Weil jede Gesellschaft Menschen benötigt, die mit ihrem guten Tun auch Vorbild sind, ist das eine vertane Chance.
Schuld daran ist ein großes PR-Missverständnis. Die Formel "Tue Gutes und rede darüber" wird mancherorts leider noch immer als Freibrief zur Angeberei oder als Verbreitung heißer Luft missverstanden. Hinzu kommt, dass selbst den großzügigsten Spendern Eigeninteresse unterstellt wird. Wird Charity-PR als marktschreierisch empfunden, so ist sehr oft nur der falsche Ton in der Kommunikation dafür verantwortlich, im Worst Case leere Versprechen.
Es ist sinnvoll, sich immer darauf zu besinnen, dass es Nuancen in der Kommunikation gibt, die über den Erfolg oder Misserfolg einer Maßnahme entscheiden können. Bei der Beurteilung (dem "Controlling") von guten Taten ist mehr nach der Wirksamkeit zu fragen. Nur Gutes zu wollen, reicht nicht aus, gutes Tun einfach nur zu behaupten, schon gar nicht.
Allgemein mehr Beachtung finden sollte auch, dass schon in vielen deutschen, österreichischen und Schweizer Betrieben unternehmerisches Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig ausgerichtet, aktiv Umweltschutz betrieben, Bildung und Kultur gefördert und mitarbeiterorientierte, familienfreundliche Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
Sich darüber ernsthaft zu unterhalten, lohnt sich.
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